Chronik Mitteldeutschland

Die Anfänge der Arbeit mit Hörgeschädigten in der Gebietskirche Niedersachsen liegen in den Jahren 1971–73. Zu dieser Zeit wohnen in Braunschweig und Hildesheim Glaubensgeschwister, von denen Familienangehörige gehörlos sind. In Braunschweig ist es der Vater von Priester R. und E. Knigge, der von Geburt an gehörlos ist. In der Verbandszeitschrift der Gehörlosen wird er auf Gottesdienste für Hörgeschädigte in der Neuapostolischen Kirche der Gebietskirche Nordrhein-Westfalen aufmerksam. Er besucht nun monatlich dort die Gottesdienste, wird 1971 in Bielefeld-Sennestadt aufgenommen und im gleichen Jahr in Dortmund durch Bezirksapostel Schiwy versiegelt.

Unabhängig von diesem Erleben nimmt Priester Petrik aus Hildesheim Kontakt zu dem Bezirksevangelist Lierse auf, der die Seelsorge bei den Hörgeschädigten in Nordrhein-Westfalen verantwortlich koordiniert. Der Sohn, Gerd P., ist gehörlos und kann in den Gottesdiensten in Bielefeld-Sennestadt unter das Wort Gottes kommen.

Im Jahr 1975 beauftragt Bezirksapostel Steinweg den Priester R. Knigge, in Niedersachsen ebenfalls Gottesdienste für Hörgeschädigte anzubieten. Die Gemeindevorsteher werden von diesem Angebot informiert und aufgefordert, hörgeschädigte Glaubensgeschwister und Gäste zu diesen Gottesdiensten einzuladen. Im Frühjahr 1975 hält der Bezirksevangelist Lierse den ersten Gottesdienst in der Gebärdensprache auf niedersächsischem Gebiet. Dieses ist der Beginn einer segensreichen Entwicklung bei der Seelsorge an den Hörgeschädigten.

In den Folgejahren werden die Gottesdienste für Hörgeschädigte parallel zu den Nachmittagsgottesdiensten in Hildesheim und Braunschweig durchgeführt. Nach einer Anfangsphase werden diese Stunden durch die Priester R. und E. Knigge und W. Petrik gehalten. Hörgeschädigte Geschwister aus den Gebietskirchen Hamburg und Berlin (West) erhalten Kenntnis von diesen Stunden und besuchen nun ebenfalls diese Gottesdienste in Niedersachsen. Der Kreis der gehörlosen Gottesdienstbesucher erweitert sich schnell auf ca. 15 Teilnehmer.

1989 werden diese Gottesdienste auch in Berlin (West) eingeführt. Dazu fahren die Priester R. und E. Knigge einmal monatlich nach Berlin. Oft finden in Verbindung mit diesen Reisen auch Familienbesuche bei hörgeschädigten Geschwistern und Gästen statt. Darüber hinaus werden in Berlin Priester gefunden, die bereit sind, diese Arbeit zu unterstützen und die Gebärdensprache zu erlernen. Nach der politischen Wende werden diese Gottesdienste auch im Großraum Berlin gehalten. Mit dem Ende des Jahres 1992 enden die monatlichen Reisen der Priester Knigge. Die Versorgung wird nun ausschließlich durch Priester aus Berlin-Brandenburg durchgeführt.

Von Niedersachsen aus geht auch ein Impuls in den norddeutschen Raum. Auf Veranlassung von Apostel Drave hält Priester R. Knigge 1991 den ersten Gottesdienst für Hörgeschädigte in der Gebietskirche Hamburg. Am 21. April 1991 treffen sich alle Hörgeschädigten und ihre Betreuer zu einem Gottesdienst in der Gebärdensprache in Hamburg-Altona.

Die Entwicklung in der Gebietskirche Niedersachsen macht weiter große Fortschritte. Um diese speziellen Gottesdienste noch bekannter zu machen und alle Hörenden in diese Arbeit einzubinden, wird 1998 entschieden, diese Gottesdienste ab sofort gemeinsam mit den Hörenden durchzuführen. Die Hörgeschädigten sind nun nicht mehr unter sich, sondern mit den jeweiligen Gemeinden zusammen. Weiter wird eine Änderung der Gottesdienstorte vorgenommen. Fanden früher die Gottesdienste nur in Braunschweig-Ost und Hildesheim statt, werden sie jetzt in der gesamten Gebietskirche Niedersachsen angeboten.

In jedem Monat wird in einer anderen Gemeinde der Gottesdienst für Hörgeschädigte durchgeführt. Durch diese Maßnahme wird in der ganzen Gebietskirche diese Arbeit publik und auch von den Hörenden gern angenommen. Die hörenden Geschwister haben die Möglichkeit, Verwandte Bekannte einzuladen. Der Kreis der hörgeschädigten Geschwister und Gäste erhöht sich hierdurch auf dreißig. Dabei wechseln die teilnehmenden Gäste sehr häufig.

Höhepunkt dieser Arbeit ist eine Zusammenkunft aller Hörgeschädigten und ihrer Betreuer aus ganz Deutschland in Hildesheim. Bezirksapostel Klingler hatte zum 10. Juni 2001 hierzu eingeladen. Dieser Tag bereitete allen Teilnehmern eine unvergessliche Freude.

In den nunmehr 27 Jahren der Hörgeschädigtenseelsorge in Niedersachsen wurden viele Begegnungen zu besonderen Segensstunden. Dazu zählen insbesondere die Gottesdienste, die der Bezirksapostel Klingler und die Apostel Burchard und Stegmaier gehalten haben. Segenshandlungen wie Taufe, Hochzeit, Konfirmation und Jubiläumshochzeiten wurden in diesem schönen Kreis erlebt.

Gegenwärtig trifft sich die „Hörgeschädigten-Gemeinde“ einmal monatlich. In der Regel jeden dritten Sonntag eines jeden Monats. Da die Geschwister und Gäste aus der gesamten Gebietskirche anreisen, beginnt der Gottesdienst erst um 10.30 Uhr. Im Gottesdienst wird der Chorgesang durch eine Gruppe Hörgeschädigter übersetzt. Normalerweise wird das vom Stammapostel angegebene Textwort verwendet. Ein anschließendes Zusammensein mit einem Imbiss dient einem schönen Gedankenaustausch.

Die meisten Gehörlosen besuchen auch regelmäßig die Gottesdienste in ihren Heimatgemeinden. Dort übersetzen Betreuer oder befähigte Geschwister die Predigt.

Zwei- bis dreimal im Jahr finden am Abend Seminare statt, in denen den Hörgeschädigten Grundlagen unseres Glaubens, Gebote und Glaubensartikel, markante Bibelstellen und andere wichtige Hinweise unseres Glaubens erläutert werden.

Heute sind in dieser schönen Arbeit insgesamt acht priesterliche Ämter tätig, unter anderem auch unser Bischof Rainer Knigge. Sie werden von neun Diakonen unterstützt. Es ist schön festzustellen, dass auch einige junge Amtsbrüder die Gebärdensprache erlernen und so in diese seelsorgerische Arbeit hineinwachsen.

(H.-W. B.)


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